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Misteln in den Apfelbäumen – schützen oder bekämpfen?

Maintal, den 03.12.2018

Pressemitteilung des LPVs (Landschaftspflegeverbands) und dem Arbeitskreis Streuobst Maintal

 

Jetzt sind die Misteln noch leicht in unseren Laubbäumen zu erkennen: Die Blätter z.B. der Obstbäume sind noch nicht wieder ausgetrieben und es fallen die mehr oder weniger stark vorhandenen grünen Kugeln in den Kronen  ins Auge.

 

Die Mistel [Viscum album] ist ein sogenannter Halbschmarotzer, d.h. sie bildet durch Photosynthese die benötigten Nährstoffe selbst aus, entnimmt jedoch den Leitbahnen des Wirtsbaumes Wasser und Nährsalze. Am häufigsten ist in Mitteleuropa die Weißbeerige Form vorzufinden, bekannt auch als Laubholzmistel. Man findet sie insbesondere auf Apfelbäumen, Linden, Pappeln und Ahornarten. Die länglich - lederartigen Blätter erreichen ein Alter von etwa einem Jahr, das bedeutet, dass im Spätsommer, sobald die neuen Blätter ausgewachsen sind, die Alten abgeworfen werden. Damit ist die Mistel eine immergrüne Pflanze.

 

Die weißlichen Beeren reifen im Dezember. Die Früchte und Samen der Mistel sind ein wichtiger Bestandteil der Winternahrung vieler Vogelarten wie Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel und Seidenschwanz. Über diesen Weg findet dann auch die Verbreitung statt. Umgeben von zähem Schleim [Weißer Vogelleim, Viscum album] sorgen die Keimlinge, vom Vogel am Wirtsbaum abgestreift oder mit dem Kot ausgeschieden, dafür, dass die Pflanze ihre Saugwurzeln schnell in das Holz einwachsen lassen kann.

 

Der Wasser- und Nährstoffbedarf der Mistel bedeutet einen gewissen Verlust für den Baum. Solange ausreichend Wasser und Nährstoffe vorhanden sind und der Mistelbfall moderat ist, dürften diese Verluste aber vernachlässigbar sein. Bei starkem Befall, Trockenstress oder Nährstoffmangel allerdings wird es nicht mehr nebensächlich sein. Tritt die Mistel massenhaft auf, so kann sie zu Schädigungen an Einzelbäumen oder Baumbeständen führen. Die Vitalität kann stark abnehmen – bis hin zum Absterben von Ästen, Kronenteilen und ganzen Bäumen.

 

Daher wird in solchen Fällen (siehe Beispielsbild) zu einem Rückschnitt der Misteln geraten: Befallene Äste sollten bis 10 cm unterhalb der Befallsstelle abgeschnitten werden, um das Austreiben von Rindensträngen zu verhindern. Nach 2 – 3 Jahren ist ein Wiederholungsschnitt einzukalkulieren, um übersehene Misteln bzw. Neuaustriebe zu entfernen.

 

Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Man kann zunächst davon ausgehen, dass die Mistel eher selten ihren Wirt umbringen wird, denn damit entzieht sie sich selbst die Lebensgrundlage. Wirklich kritisch wird es eigentlich nur bei stark befallenen Hybridpappeln, bei denen sich aber sowieso die Frage stellt, ob sie die geeigneten Baumarten für unsere Landschaft sind.

 

Da die Mistel nicht geschützt ist, kann ein Ausschneiden jederzeit erfolgen. Dies muss aber auf freiwilliger Basis geschehen, denn es gibt keine rechtliche Handhabe, Grundstücksbesitzer zum Ausschneiden zu verpflichten.


Man kann über eine begrenzte Nutzung. „Schützen durch Nützen" nachdenken – die beste Möglichkeit der Konfliktentschärfung.

 

Foto: Die Mistel ist in vielen Bäumen zu finden. Wenn sie sehr stark auftritt, kann sie die befallenen Bäume schädigen. Dann wird zum Rückschnitt geraten.