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„Einspringen, wo´s fehlt“

Maintal, den 04.12.2018

Trotz Weihnachtsrummel öffnet das Reparatur-Café im Stadtteilzentrum (Dörnigheimer Weg 25) am Samstag, 15. Dezember 2018 (10 bis 13:30 Uhr) seine Türen/ Renate Rölle und Rosemarie Olbrich bringen Lebenserfahrung und die Bereitschaft zu klaren Worten mit ins Café.

 

Im Bischofsheimer Stadtteilzentrum öffnen sich die Türen zum Reparaturcafé. Der Kaffee dampft bereits in der Maschine, und der selbstgemachte Kuchen, den Renate Rölle zu jedem Café frisch backt, duftet auch schon herrlich. Renate Rölle und ihre langjährige Bekannte Rosemarie Olbrich gehören zum Team im Reparatur-Café, das an diesem Samstag vor Ort ist und die Augen aufhält: Haben die Teammitglieder, was sie brauchen – eine Tasse Kaffee, ein Stück Kuchen, ein Glas Wasser? Sind die Besucher*innen des Cafés zufrieden, oder schauen sie mit fragendem Blick umher, weil sie etwas vermissen? Für solche Feinheiten haben die beiden Frauen ein Gespür. Sie agieren im Hintergrund und springen bei Bedarf ein, wenn´s irgendwo an etwas fehlt. Die Damen leisten praktische Lebenshilfe – und das sichtlich gern.

 

„Wir sind zwar Laien“, sagt Rosemarie Olbrich mit Blick auf kaputte Gerätschaften, „aber wir haben einen gesunden Menschenverstand, und praktisch veranlagt sind wir auch.“ Und kommt es mal zu kleinen Malheurs, wie neulich, als es aus der mitgebrachten Nähmaschine plötzlich rauchte und qualmte, dann bestehen die beiden energischen Damen darauf, dass defekte Geräte gar nicht erst wieder mit nach Hause genommen werden. „Dazu ist uns das Risiko zu groß“.

 

Für die Bischofsheimerin Renate Rölle ist das Café ein Ort, wo sie ihrem Ehrgeiz frönen kann, „das, was kaputt ist, wieder hinzukriegen“. Wie jüngst beim Rollkoffer ihrer Freundin, einer Medizinerin im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“, bei deren Koffer das Gestänge zerbrochen war. Mit den anderen im Team, die handwerkliches Geschick haben, überlegen, wie etwas zu reparieren wäre, herumtüfteln, improvisieren – solche Aufgaben gefallen ihr, auch wenn sie selbst kein Bastelgenie sei, wie sie von sich sagt. Rosemarie Olbrich aus Wachenbuchen hingegen bastelt gern selbst: „Bei uns zu Haus wird alles selbst repariert.“ Lange Jahre betrieb sie eine Puppenklinik, in der sie auch schon mal den Krippenfiguren Ochs´ und Esel den Kopf wieder annähte. Ihre Rolle im Café sieht sie so: „Wo´s fehlt, springe ich ein.“

 

Ein Ort des Gebens und des Nehmens

Aus ihren Berufen – Renate Rölle war Betriebsrätin bei General Electric, Rosemarie Olbrich   Redaktionssekretärin im Hessischen Rundfunk – bringen die beiden Seniorinnen Übersicht und Lebenserfahrung mit ins Café, aus ihrem jahrelangen Ehrenamt als Badminton-Trainerin der Jugend (Rölle) und als Übungsleiterin bei den jungen Turner*innen (Olbrich) auch die Bereitschaft zu klaren Worten. Denn die seien ab und an durchaus nötig, meinen die Seniorinnen. „Wir kennen unsere Pappenheimer. Wenn hier jemand nassauert, weisen wir schon mal deutlich darauf hin, dass das dritte Stückchen Kuchen einen Euro kostet.“ Besucher*innen, die sich im Reparaturcafé lediglich bedienen lassen wollen oder gar Ansprüche stellen („Wo bleibt denn heute die Apfelsaftschorle?“), beißen bei den Damen schnell auf Granit. Ihr Credo lautet: „Das Café ist ein Ort des sozialen Miteinanders, ein Ort des Gebens und Nehmens.“ 

 

Wenn gegen 13.30 das Reparaturcafé schließt, geht es ans Aufräumen. Und danach, auch das ist eine kleine Tradition, die Renate Rölle und Rosemarie Olbrich im Café eingeführt haben, „sitzen wir hier oft noch eine halbe Stunde zusammen und lassen Revue passieren, was gewesen ist, was gestört hat, was geklappt hat.“ Diese Manöverkritik noch am selben Tag sei wichtig für die positive Grundstimmung im Team – für beide ein wesentlicher Grund, sich hier weiterhin zu engagieren. „Wir kriegen hier enorm viel zurück für die Zeit, die wir in unserer Freizeit opfern“, finden beide, „ein freundliches Dankeschön, strahlende Augen.“ Wie etwa von der Dame, die an einem Samstag mit ihrem alten kaputten Röhrenradio ins Reparaturcafé kam und es anschließend heile wieder mit nach Hause nehmen konnte. „Endlich ein Radio, das ich zu 100 Prozent bedienen kann!“, sagte sie anschließend. „Ich hätte nie gedacht, dass das wieder funktionieren wird!“  Gibt´s einen schöneren Lohn? Für Renate Rölle und Rosemarie Olbrich sicher nicht.

 

Wer Interesse hat im Team des Reparatur-Cafés mitzuarbeiten oder weitere Informationen möchte, kann sich an Olivia Metzendorf vom Fachdienst Maintal Aktiv – Freiwilligenagentur wenden. Sie ist telefonisch unter 06181 400-449 oder per E-Mail an freiwilligenagentur@maintal.de erreichbar.

 

Foto: Rosemarie Olbrich (rechts im Bild) sorgt für eine freundliche Begrüßung im Reparatur-Café. Links zu sehen ist Olivia Metzendorf, die Leiterin Fachdienst Maintal Aktiv – Freiwilligenagentur. Foto: Jürgen Eibich