Ehemals Judengäßchen - heute Reinhardtstraße

 

1922 wurden in Wachenbuchen die heute geläufigen Straßennamen eingeführt. Dabei verwendete man vorzugsweise heute überkommene Bezeichnungen. So hieß die Gasse gegenüber der Synagoge allgemein „Judengäßchen“, weil dort überwiegend die - sehr armen - jüdischen Familien wohnten. 

 

Zum Zeitpunkt der Einführung offizieller Straßennamen hielt sich zufällig Aaron Reinhardt in Wachenbuchen auf, der 1870 als 16-Jähriger nach Amerika ausgewandert und dort mit einem Hutmacher-Geschäft vermögend geworden war. Er bot dem Gemeinderat in Wachenbuchen eine Spende in Höhe von 25.000 RM an, wenn das „Judengäßchen“ nach seinem Vater Abraham als „A.Reinhardt-Straße“ benannt würde. Abraham Reinhardt war im 19. Jahrhundert langjähriger Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Wachenbuchen gewesen. Der Gemeinderat nahm das Angebot an.

 

Im Juli 1938 verschickte das nationalsozialistische Reichsinnenministerium einen Erlass, der die Gemeinden anwies, bis September alle Straßennamen zu tilgen, die an Juden oder „jüdische Mischlinge 1. Grades“ erinnerten. Hierauf wurde in Wachenbuchen der Name „Reinhardtstraße“ in „Kleine Hainstraße“ umgewandelt. 

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die meisten nationalsozialistisch bestimmten Straßennamen wieder rückgängig gemacht. Im Fall der „Kleinen Hainstraße“ ist diese Rückbenennung unterblieben. Dies nahm der Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. zum Anlass, sich 2022 dafür einzusetzen, den ursprünglich vergebenen Namen „Reinhardtstraße“ wiederherzustellen. Am 3. November 2025 traf die Stadtverordnetenversammlung den entsprechenden Beschluss.

 

Quelle: Brüder-Schönfeld-Forum e.V.